Was Hoffnung kann, wenn der Verstand nicht weiter weiß

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Lasst mich euch eine Geschichte erzählen: Mit vierzehn Jahren kam ich in eine neue Schule. Unser Klassenvorstand war eine Physiklehrerin. Sie war Mitte dreißig, verheiratet und hatte zwei kleine Kinder. Ich mochte sie sehr, denn sie begeisterte mich zuerst für die Physik. Außerdem konnte sie sehr gut erklären. Sie gestaltete ihren Unterricht mit Spaß, aber sie hatte die Klasse die ganze Zeit im Griff.

Einmal, als wir über den Urknall sprachen, sagte sie uns, dass es dumm sei, an Gott zu glauben, wenn man ein Wissenschaftler ist. Sie glaube nicht an solchen “Hokuspokus“.

Im Jahr darauf erfuhren wir, dass unser Klassenvorstand an Brustkrebs erkrankt war. Die Ärzte hatten ihn sehr spät entdeckt, daher prognostizierten sie ihr höchstens noch sechs Monate Lebenszeit. Sie sagten, egal was sie täten, unsere Lehrerin würde trotzdem sterben. Als Mutter zweier Volksschulkinder.

Sie war dann drei Wochen lang nicht in der Schule, wir wurden auf den Unterricht mit ihr vorbereitet. Es wurde allen verboten, mit ihr über die Krankheit zu reden, im Unterricht zu stören oder irgendetwas anderes zu tun, das sie aufregen würde. Sie schien gebrochen und sah stark abgemagert aus.

Die Kinder hielten sich an die Anweisung der Direktorin. Aber unsere Lehrerin begann selbst zu erzählen, dass ihr ihre Kinder leid täten. Ihr Mann hatte während ihres Krankenhausaufenthaltes allen Besitz verkauft, um die Behandlung zu bezahlen. Für die Chemotherapie hatte die ganze Schule Geld gesammelt, dafür sei sie uns sehr dankbar, meinte sie. Dann sagte sie etwas, was ich von ihr nicht erwartet hatte: “Ich habe alles ausprobiert. Ich bin sogar bereit, an Gott zu glauben, wenn er mir dabei hilft, gesund zu werden.”

Sie wurde wirklich gesund.

Wir Kinder fragten sie später, wie sie Physik in Zukunft unterrichten würde, wenn sie jetzt an Gott glaubt. Da antwortete sie uns: “Es geht um die Kräfte, die ein Mensch entwickeln kann, wenn man fest daran glaubt. Das ist Physik pur.”

Gilbert & Maia Egger